Das harnableitende System besteht aus den beiden Nieren, den Harnleitern, der Harnblase und der Harnröhre.
Nachdem das Blut durch die Nieren, die eine Art Filterstation bilden, von seinen Abfallprodukten gereinigt ist, fließt der nun entstandene Urin über sammelnde Nierenkelche in das Nierenbecken. Von dort aus wird er weiter über die Harnleiter in die Harnblase transportiert und anschließend über die Harnröhre ausgeschieden.
Das harnableitende System ist mit einer gut durchbluteten Schleimhaut ausgekleidet, die sich unter bestimmten Umständen entzünden kann.
Bei einer Entzündung des Nierenbeckens (Pyelonephritis) beschreiben die Patienten oft plötzlich auftretende Schmerzen während des Wasserlassens. Diese Schmerzen werden im Blasenlager (über dem Schambein) und im Nierenlager (im Bereich der Flanke) angegeben. Der Schmerzcharakter wird als leicht ziehend bis stechend empfunden. Oft beginnt eine Nierenbeckenentzündung mit Beschwerden ähnlich einer Harnblasenentzündung, wie zum Beispiel häufiges und brennendes Wasserlassen. Der Patient klagt meist über Fieber eventuell mit Schüttelfrost und hat ein deutliches Krankheitsgefühl.
Kinder und ältere Menschen fallen oft nur durch Abgeschlagenheit oder unkontrollierten Urinabgang auf. Es können Bauchschmerzen mit Erbrechen oder Kopfschmerzen auftreten. Besteht der Verdacht einer Nierenbeckenentzündung, sollte der Betroffene sich an einen Arzt wenden, da eine Nierenbeckenentzündung auch einen dramatischen Verlauf nehmen kann.
Komplikationen können Eiteransammlungen (Abszesse) in oder neben der Niere oder das Ausschwemmen der Bakterien in die Blutbahn (Urosepsis) sein.
Was sind die Ursachen dieser Erkrankung?
Ist der Harnfluss im harnableitenden System gestört oder zu gering, kann dies zu einem Bakterienwachstum und nachfolgend zu einer Entzündung der auskleidenden Schleimhaut führen. Auslösende Bakterien sind häufig die aus dem Darm stammenden Coli-Bakterien (Escherichia coli, E. coli). Durch die Schleimhautdurchblutung ist zwar eine gewisse Selbstabwehr von Bakterien gegeben, doch ist auch ein Mindestdurchfluss von Urin für die Abwehr von Infekten wichtig.
So können Fehlbildungen des harnableitenden Systems wie Engstellen im Nierenbeckenabgang oder der Harnleiter, Zystennieren, Prostatavergrößerung und andere Abflussbehinderungen ein Grund für eine Nierenbeckenentzündung sein.
Harnsteine gelten abhängig von ihrer Größe und Lage als mögliche Infektionsquelle. Sie können sowohl Ursache als auch Folge von Infektionen im Harntrakt sein.
Darüber hinaus kann eine bestehende Infektion aus der Harnblase zur Niere aufsteigen. Dies kann durch eine Nervenstörung bedingt sein oder aber durch einen Defekt der Verschlussmechanismen, die normalerweise das Hochfließen des Urins in Richtung Niere verhindern. Man spricht dann von einem Reflux (Rückfluss).
Eine Schwangerschaft kann durch die veränderte hormonelle Situation sowie die veränderte Lage der inneren Organe wegen der sich ausdehnenden Gebärmutter eine Harninfektion mit nachfolgender Nierenbeckenentzündung begünstigen.
Daher müssen schwangere Frauen diesbezüglich regelmäßig untersucht werden. Ein erhöhtes Risiko haben auch Frauen nach einem Kaiserschnitt.
Außerdem ist bei häufig auftretenden Harnwegsinfekten mit oder ohne Nierenbeckenentzündung das Abwehrsystem und auch eine mögliche Stoffwechselerkrankung (zum Beispiel Diabetes mellitus) zu kontrollieren.
Die Nierenbeckenentzündung ist eine der häufigsten Nierenerkrankungen. Rund 10-20 Prozent der Bevölkerung sind davon mindestens einmal während des Lebens betroffen. Sie kommt bei Frauen zwei- bis dreimal häufiger vor als bei Männern.
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Autor: Dr. med. Sigrid Tapken; Dr. med. Dirk Nonhoff, erstellt am 25.10.05; zuletzt aktualisiert von Dr. med. Thomas Franke am 02.02.10
Quelle: Roth, S.: Klinische Urologie. Springer (2001); Sökeland, J.: Urologie. Thieme (12. Auflage 2001); Hautmann R., Huland H.: Urologie. 3. Auflage, 2006, Springer; Merkle W.: Urologie. 1997, Hippokrates; Herold G.: Innere Medizin. 2007, Selbstverlag; Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Urologie. Leitlinie zur Harnwegsinfektion im Kindesalter. Januar 1998 (www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll-na/043-014.htm); Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) - Urogynäkologie. Harnwegsinfekt. April 2006 (www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/015-009.htm)

