Die Nebenschilddrüse besteht aus vier einzelnen, etwa erdnussgroßen Drüsen, den Epithelkörperchen. Sie liegen unmittelbar hinter der Schilddrüse im Halsbereich. Die Nebenschilddrüse produziert das sogenannte Parathormon, das die Kalzium- und Phosphatkonzentration im Körper durch Regulierung der Aufnahme und Ausscheidung einstellt.
Dabei senkt Parathormon die Menge an Phosphat und erhöht die Menge an Kalzium im Blut. Die beiden Mineralien sind am Knochenauf- und -abbau beteiligt. Wenn die Nebenschilddrüse normal funktioniert, halten sich der Aufbau und der Abbau des Knochens also die Waage.
Was ist eine Nebenschilddrüsen-Überfunktion?
Die Nebenschilddrüsen-Überfunktion geht mit einer vermehrten Bildung von Parathormon einher. In 80 Prozent der Fälle wird diese Überproduktion durch einen gutartigen Tumor in der Nebenschilddrüse verursacht. Auch geschädigte Nieren oder entzündliche Darmerkrankungen können über Umwege zu einer vermehrten Produktion des Parathormons führen. Durch den Überschuss des Hormons kommt es zu einem erhöhten Kalziumspiegel im Blut und einer vermehrten Phosphatausscheidung mit dem Urin.
Wie äußert sich eine Überfunktion der Nebenschilddrüse?
Fast die Hälfte aller Betroffenen hat überhaupt keine Beschwerden. Der Arzt spricht im Zusammenhang mit einer Nebenschilddrüsen-Überfunktion auch von "Stein-, Bein- und Magenpein".
Durch die veränderten Kalzium- und Phosphatkonzentrationen im Blut können sich Mineraliensteine bilden, die manchmal heftige, krampfartige Schmerzen verursachen (Steinpein). Durch den Überschuss an Parathormon wird vermehrt Knochensubstanz abgebaut. Meist äußert sich das in erster Linie durch Wirbelsäulen- und Gliederschmerzen (Beinpein), aber auch in vermehrten Knochenbrüchen. Auch am Magen-Darm-Trakt macht sich der Kalziumüberschuss bemerkbar. Die Patienten leiden unter Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust und sie bekommen schneller Magengeschwüre (Magenpein).
Auffällig ist auch oft der große, kaum zu stillende Durst der Patienten. Darüber hinaus kann es auch zu Herzrhythmusstörungen kommen. Besonders gefährlich ist eine sogenannte hyperkalzämische Krise, die sich durch großen Durst, Erbrechen und Schläfrigkeit bis hin zum Koma bemerkbar macht. Starke Herzrhythmusstörungen, ein Ausfall der Nieren und Schäden am Gehirn können dabei zum Tode führen.
Wie wird die Nebenschilddrüsen-Überfunktion diagnostiziert?
Die Überfunktion der Nebenschilddrüsen wird oft rein zufällig bei einer Kontrolle des Kalzium- und des Phosphatspiegels im Blut entdeckt, denn höchstens die Hälfte aller Betroffenen zeigt überhaupt Symptome.
Dann muss die Ursache für die Nebenschilddrüsen-Überfunktion gefunden werden. Hierbei sind Ultraschalluntersuchung
, Röntgen- und Computertomographie
-Aufnahmen und eventuell eine Magenspiegelung
sowie eine Prüfung der Nierenfunktion hilfreich.
Wie wird die Überfunktion behandelt?
Patienten, deren Nebenschilddrüse zum Beispiel durch einen gutartigen Tumor zuviel Parathormon produziert, können durch dessen operative Entfernung geheilt werden.
Oft müssen die Patienten eine Zeit lang nach der Operation Kalzium und eventuell Vitamin-D einnehmen. Um sicher zu gehen, dass der Tumor vollständig entfernt wurde, kontrolliert der Arzt in regelmäßigen Abständen den Kalziumspiegel im Blut.
Ist die Nebenschilddrüsen-Überfunktion auf dem Boden einer anderen Krankheit entstanden, ist die Therapie etwas komplizierter. Einerseits muss die Grunderkrankung behandelt, andererseits der Kalziumspiegel im Blut reguliert werden. Die Heilungschancen hängen davon ab, wie gut sich die Grunderkrankung therapieren lässt. Auch wenn es zunächst unsinnig erscheint: Gerade hier nützt die Gabe von Kalziumpräparaten und Vitamin-D, um Folgeerscheinungen der Überfunktion zu verhindern.
Autor: Ulrich Kraft; Dr. med. Martina Waitz, erstellt am 20.01.05; zuletzt aktualisiert von Dr. med. Friedrich Jentzen am 02.02.10
Quelle: Harrison's Principles of Internal Medicine. McGraw-Hill (Publisher), 15. Auflage, 2002; Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, 2002; Leitlinien der deutschen Gesellschaft für Chirurgie: Therapie des Hyperprathyreoidismus; Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF): AWMF-Leitlinien-Register (003/004) (April 1999); Dietel, M.; Suttorp, N.; Zeitz, M. (Hrsg.): Harrisons Innere Medizin. 16. Auflage Berlin: ABW Wissenschaftsverlag, 2005; Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (April 1999): Therapie des Hyperparathyreoidismus. www.rz.uni-duesseldorf.de/www/awmf/ll-na/003-004.htm (Stand 17.10.2007).