Krankheiten

 
 
 
Sie befinden sich hier:

tk-online.de . > Medizin & Gesundheit . > Krankheiten . > Krankheiten: D . > Durchfall

Inhaltsbereich

Was ist Durchfall?

Artikel vorlesen
 

Von Durchfall (medizinisch Diarrhö) spricht man bei zu häufiger Stuhlfrequenz: wenn ein Patient häufiger als drei Mal am Tag Stuhlgang hat. Weitere Kennzeichen des Durchfalls sind eine verminderte Stuhlkonsistenz, flüssige Stühle oder eine deutlich vermehrte Stuhlmenge.

Welche Ursachen gibt es für Durchfall?

Durchfall kann als Symptom bei ganz unterschiedlichen Erkrankungen vorkommen. Auslöser können Lebensmittelvergiftungen, Erreger oder Medikamente sein. Durchfall kann auch hormonelle Ursachen haben.

 

Prinzipiell kann man zwischen dem plötzlich einsetzenden akuten und dem länger als zwei Wochen andauernden chronischen Durchfall unterscheiden.

 

Infektionen und Lebensmittelvergiftung

Die Ursache für akute Durchfälle sind häufig Krankheitserreger wie Bakterien oder Viren, die durch die Aufnahme von verunreinigten Nahrungsmitteln oder Trinkwasser in den Magen-Darm-Trakt gelangen. Die häufigste lebensmittelbedingte Durchfallerkrankung wird durch Salmonellen verursacht. Diese Bakterien treten besonders in den Sommermonaten in verunreinigten Lebensmitteln wie rohem oder nicht ausreichend erhitztem Fleisch, in rohen Eiern oder Eierprodukten und vor allem in Softeis auf.

 

Meist nur wenige Stunden nach dem Verzehr verunreinigter Lebensmittel kommt es bei Lebensmittelvergiftungen zu Durchfällen, die mit Übelkeit, Erbrechen und nicht selten mit schmerzhaften Bauchkrämpfen einhergehen können. Schuld sind Giftstoffe, die von Bakterien produziert werden, die über die Nahrung aufgenommen wurden.

 

Eine weitere Gruppe von Erregern, die sehr häufig akute Durchfälle auslösen, sind Viren. Vor allem bei Kindern sind häufig Rotaviren und Adenoviren für Durchfälle verantwortlich. Bei Erwachsenen ist besonders das Norwalk-Virus als auslösender Erreger bekannt.

 

Auch Parasiten können für akute Durchfälle verantwortlich sein. Sie kommen vor allem in tropischen und subtropischen Ländern vor, gelegentlich aber auch in unseren Breiten.

 

Nahrungsmitteltunverträglichkeiten

Neben den infektiösen Ursachen sind auch Nahrungsmittelunverträglichkeiten auf Milch, Hühnereiweiß, Nüsse oder Fisch mögliche Auslöser für akute Durchfälle, insbesondere bei Kindern. Ebenso kann die Aufnahme von Koffein, Alkohol oder schlecht verdaubaren Nahrungsmittelbestandteilen zu Durchfällen führen. Beispiele hierfür sind Ballaststoffe sowie die Zucker Sorbit, Fruktose und Laktose, vor allem in größeren Mengen.

 

Medikamentenbedingter Durchfall

Auch Medikamente, zum Beispiel bei einer Chemotherapie verabreichte Zytostatika Glossar-Symbol oder auch Antibiotika, können die Ursache für Durchfälle sein. Nach Antibiotikagabe ist es möglich, dass bestimmte Erreger die abwehrgeschwächte gesunde Darmflora überwuchern und so einen Durchfall auslösen. Der Missbrauch von Abführmitteln stellt besonders bei jungen Frauen die häufigste Ursache der Medikamenten-bedingten Durchfälle dar.

 

Besondere Lebensumstände

Bei einigen Menschen können sich psychische Probleme und Stress durch Bauchschmerzen und Durchfälle äußern. In diesen Fällen spricht man vom sogenannten Reizdarmsyndrom.

 

Ursachen des chronischen Durchfalls

Eine chronische Diarrhö kann ein Hinweis auf schwerwiegende Erkrankungen sein und sollte deshalb immer sorgfältig abgeklärt werden.

 

Infektionen

Infektionen durch Bakterien, Viren oder Parasiten können auch die Ursache von chronischem Durchfall sein. Besonders abwehrgeschwächte Patienten (zum Beispiel durch HIV-Infektion, Chemotherapie) entwickeln häufig einen chronischen Durchfall.

 

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen

Zu den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen zählen zum Beispiel der Morbus Crohn und die Colitis ulcerosa. Die typischen Symptome des Morbus Crohn sind Bauchschmerzen, Gewichtsstillstand oder -verlust und chronische Durchfälle. Bei der Colitis ulcerosa stehen meist blutige, nur tags und/oder auch nachts auftretende Durchfälle im Vordergrund. Meist sind junge Menschen im Alter von 20-40 Jahren betroffen.

 

Hormonelle Ursachen

Eine Schilddrüsenüberfunktion, ein Schilddrüsenkrebs oder andere, meist im Magen-Darm-Trakt lokalisierte Krebsformen können zu chronischen Durchfällen führen, indem sie bestimmte Botenstoffe (Hormone) ausschütten.

 

Paradoxer Durchfall

Durchfälle können auch im Wechsel mit einer Verstopfung als sogenannte paradoxe Diarrhö auftreten. Dies kann ein Zeichen für eine Engstelle im Darm sein, bedingt zum Beispiel durch einen Tumor des Dickdarms. Die Verengung stellt ein Hindernis für den Stuhlgang dar und verursacht so die Verstopfung. Durch bakterielle Zersetzungsprozesse wird der Darminhalt oberhalb des Passagehindernisses verflüssigt, sodass es in der Folge zu einem Durchfall kommt.

Autor: Till Hartlieb; Dr. med. Dirk Nonhoff, erstellt am 25.10.05; zuletzt aktualisiert von Filiz Karakaya, Dr. med. Barbara Kurzidim am 11.01.10

Quelle: Classen/Diehl/Koch/Kochsiek/Pongratz/Scriba: Differentialdiagnose Glossar-Symbol. Urban & Schwarzenberg (1998); Classen/Diehl/Kochsiek: Innere Medizin. Urban & Schwarzenberg (1998) / Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Ausgabe (2006).; Zertifizierte medizinische Fortbildung: Leitsymptom Diarrhö. Deutsches Ärzteblatt 2006; 103(5),: A 261-269 (www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?src=suche&id=50066)