Neurinome sind gutartige Tumore, die am häufigsten in der hinteren Schädelgrube des Kopfes vorkommen. Sie stammen von den Zellen der so genannten Schwann-Scheiden ab. Diese Scheiden umhüllen Nervenfasern. Neurinome bezeichnet man deshalb auch als Schwannome.
Am häufigsten ist der achte Hirnnerv, der Hör- und Gleichgewichtsnerv (medizinisch: Nervus vestibulocochlearis), betroffen. Tumoren, die durch das Wachstum der diesen Hirnnerv umgebenden Schwann-Zellen entstehen, nennt man dementsprechend Akustikusneurinome.
Akustikusneurinome sind gutartige (benigne) Tumoren, das heißt sie wachsen langsam, ohne in benachbartes Gewebe einzudringen. Am häufigsten findet man sie im Bereich des inneren Gehörgangs (Meatus acusticus internus). Von dort wachsen sie meist in den Bereich zwischen Kleinhirn und Brücke, einem Bestandteil des Hirnstamms, vor. Diese Region wird als Kleinhirnbrückenwinkel bezeichnet.
Das Neurinom des achten Hirnnervs ist insgesamt recht selten, macht aber immerhin rund zehn Prozent aller Hirntumoren aus. Es wird in den meisten Fällen bei Menschen im Alter zwischen 30 und 50 Jahren diagnostiziert. Allerdings geht man davon aus, dass viele der gutartigen Akustikusneurinome zeitlebens unentdeckt bleiben, solange sie keine Beschwerden verursachen oder nicht durch Zufall festgestellt werden.
Eine Erbkrankheit, bei der sich zahlreiche Neurinome finden, ist der Morbus Recklinghausen, auch Neurofibromatose Typ II genannt. Diese Krankheit geht zumeist auch mit doppelseitigen Akustikusneurinomen (also Neurinomen des linken und des rechten achten Hirnnerven) einher.
Autor: Dr. med. Martina Waitz; Ulrich Kraft, erstellt am 14.07.05; zuletzt aktualisiert von Dr. med. Julia Hofmann am 17.08.10
Quelle: Boenninghaus, H.G.: Hals-Nasen-Ohrenheilkunde. Springer (11. Auflage 2000); Gleixner, C.: Neurologie und Psychiatrie. Medizinische Verlags- und Informationsdienste (2002/2003) / Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie.: Akustikus-Neurinom / Klinischer Algorithmus, Überarbeitung Januar 1999; Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie.: Akustikusneurinom / Kleinhirnbrückenwinkeltumor, Überarbeitung Juni 2001; Stark AM, et al.: Tumoren peripherer Nerven. Deutsches Ärzteblatt 2002; 99: A928-33; Thilmann C, et al.: Stereotaktische Strahlenbehandlung schädelbasisnaher Meningeome und Schwannome. Deutsches Ärzteblatt 2004; 101: A1022-6; Rohsahl S: Akustikusneurinome: Behandeln oder abwarten?, Deutsches Ärzteblatt International 2009; 106: 505-506

