Seite 2: Wer sollte sich einer Psychotherapie unterziehen?
Die Entscheidung für eine Psychotherapie fällt den Betroffenen oft schwer, da es immer noch als ein Makel gilt, seine Probleme nicht alleine bewältigen zu können. Gegen die Psychotherapie bestehen mehr Vorurteile als gegen andere medizinische Therapien. Es wird meist vernachlässigt, dass psychische Probleme eine Störung von Krankheitswert darstellen können, die einer professionellen Behandlung bedarf.
Ob und in welcher Form im Einzelfall eine Psychotherapie sinnvoll ist, sollte in einem gemeinsamen Gespräch mit einem Psychologen oder Arzt entschieden werden. Dabei kommen die aktuellen Beschwerden, der Zeitpunkt an dem die Probleme zum ersten Mal auftraten und der weitere Verlauf der Probleme zur Sprache.
Gegebenenfalls werden Fragebögen und Tests eingesetzt, um genau abzuklären, um welche Probleme es sich handelt. Um körperliche Ursachen zu überprüfen, wird der Betroffene auch durch einen Arzt untersucht.
Wer darf diese Therapie anbieten?
"Psychotherapeut" dürfen sich in Deutschland seit einiger Zeit nur noch Psychologen und Ärzte nennen, die nach einer staatlich anerkannten Weiterbildung in Psychoanalyse, tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie oder Verhaltenstherapie eine Anerkennung als Psychotherapeut erworben haben. Diese Spezialisierung erstreckt sich berufsbegleitend über mehrere Jahre.
Psychiater dagegen sind Ärzte, die sich auf den Bereich Psychiatrie, die Lehre psychischer Krankheiten, spezialisiert haben. Sie behandeln vor allem mit Medikamenten. Nur manche Psychiater haben zusätzlich eine Spezialisierung in Psychotherapie und sind somit auch auf diesem Gebiet kompetent.
Für Kinder von 0 bis 21 Jahren dürften sich nach einer entsprechenden Richtlinie auch die folgenden Berufsgruppen "Psychotherapeut" nennen:
- Dipl. Sozialpädagoge
- Pädagoge
- Lehrer
- Dipl. Kunsttherapeut
- Dipl. Heilpädagoge
Neben den ärztlichen und psychologischen Psychotherapeuten gibt es eine Vielzahl weiterer Personen, die Psychotherapie anbieten. Diese sind nicht unbedingt Psychologen oder Ärzte und können deshalb nicht mit der Krankenkasse abrechnen, sodass der Patient die Kosten der Behandlung selbst tragen muss.
Wie findet man einen geeigneten Psychotherapeuten?
Bei der Wahl eines Psychotherapeuten ist es wichtig, dass Methode und Therapeut zu dem Patienten passen.
Wenn ein Kontakt zum Therapeuten bereits zustande gekommen ist, sollte der Betroffene sich erkundigen, welche Ausbildung und Weiterbildung der Therapeut hat und ob er mit der Behandlung des bestehenden Problems Erfahrung hat. Wichtig ist auch, zu klären, wie der Therapeut vorgehen möchte und wie lange die Therapie voraussichtlich dauern wird.
Eine gute therapeutische Beziehung zwischen Therapeuten und Patienten ist eine unverzichtbare Grundlage dafür, dass psychotherapeutische Methoden wirkungsvoll sein können. Der Betroffene muss sich im Umgang mit dem Therapeuten wohl fühlen, er sollte das Gefühl haben, diesem vertrauen und ihm gegenüber offen sein zu können. Schon beim ersten Telefonat und bei den ersten Treffen ist es daher wichtig, auf den persönlichen Eindruck von der Person des Therapeuten zu achten.
Eine Psychotherapie dauert je nach Schwere der Problematik und Art der psychotherapeutischen Methode zwischen 20 und 100 Stunden. Spätestens in den ersten zehn bis 20 Stunden sollte sich eine Veränderung der Probleme einstellen. Ansonsten ist zu überlegen, ob der Therapeut gewechselt werden sollte. Eine Ausnahme stellt hier die psychoanalytische Langzeittherapie dar, die wesentlich länger dauert.
Bei der Suche nach einem Therapeuten unterstützt die telefonische Beratung des Psychotherapie-Informations-Dienstes des Berufsverbandes Deutscher Psychologen. Ein Verzeichnis von Psychotherapeuten ist auch beim Deutschen Psychotherapeutenverband erhältlich.
- Seite 1: Was ist Psychotherapie?
- Seite 2: Wer sollte sich einer Psychotherapie unterziehen?
Autor: Barbara Janker; Janna Christoffers, erstellt am 14.07.05; zuletzt aktualisiert von Dr. med. Julia Hofmann am 13.07.10
Quelle: Kriz, J.: Grundkonzepte der Psychotherapie. Psychologie Verlags Union, 1994; Stark, Esterer, Bremer: Wege aus dem Wahnsinn. Psychiatrie-Verlag, 1997

