Das allgemeine Ziel der Psychotherapie ist, den Menschen dazu zu befähigen, mit seinem Leben und der Gesellschaft gut zurechtzukommen. Anders als bei vielen medizinischen Behandlungen, bei denen der Patient eher passiv bleibt, nimmt der Patient in der Psychotherapie eine aktive Rolle ein.
Die Psychotherapie bietet Unterstützung bei Veränderungsprozessen, die der Betroffene aber selbst umsetzen muss. Um Patienten noch stärker in die Therapie und in die Beurteilung des Behandlungserfolges einzubeziehen, hat die TK in den Regionen Westfalen-Lippe, Hessen und Südbaden ein Modellvorhaben gestartet.
Wichtig ist dabei einerseits eine Alltagsbewältigung im Leistungsbereich, also in Schule oder Beruf, aber auch im Umgang mit anderen Menschen. Durch Psychotherapie können je nach Problem die Gefühle, die geistigen Fähigkeiten und die Fähigkeiten im Umgang mit anderen Menschen positiv beeinflusst werden.
Es gibt verschiedene psychotherapeutische Lehren, die die Entstehung psychischer Störungen unterschiedlich erklären und davon ausgehend auch unterschiedliche Behandlungsansätze verfolgen. Daher kann das Vorgehen von Psychotherapeuten sehr verschieden sein. Auch das Ausmaß, in dem die psychotherapeutischen Verfahren überprüft und in ihrer Wirksamkeit bestätigt sind, ist unterschiedlich.
Welche Verfahren gibt es?
Im Folgenden werden nur einige der wichtigsten Verfahren näher erklärt. Jedes der folgenden psychotherapeutischen Verfahren ist durch ein Weltbild, durch einen spezifischen Erklärungsansatz für psychische Störungen und durch bestimmte psychotherapeutische Methoden gekennzeichnet.
Psychoanalyse
Anhänger der Psychoanalyse und der tiefenpsychologischen Verfahren gehen davon aus, dass es durch traumatische Erlebnisse insbesondere während der Kindheit zu unbewussten Konflikten kommt, die zu psychischen Problemen führen. Ziel der Psychoanalyse und der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie ist es, diese aufzudecken und zu bearbeiten, sodass die psychische Gesundheit wiederhergestellt werden kann.
Verhaltenstherapie
Die Verhaltenstherapie geht davon aus, dass jedes Verhalten erlernt ist und auch wieder verlernt werden kann. Die therapeutischen Verfahren haben zum Ziel, Verhaltensweisen, Gedanken und Gefühle durch bestimmte Lernprozesse so zu verändern, dass das Wohlbefinden des Betroffenen gesteigert wird. Dabei wird der Patient aktiv in den Therapieprozess eingebunden. So erhält er zum Beispiel Übungen zur Veränderung eines problematischen Verhaltens, die er zwischen den Therapiesitzungen selbständig durchführt. Ein Anwendungsgebiet dieser Methode sind beispielsweise Suchterkrankungen. Hier kann zum Beispiel der Umgang und das Vermeiden von Alkohol im Alltag geübt werden.
Gesprächstherapie
Vertreter der Gesprächspsychotherapie gehen davon aus, dass psychische Probleme vor allem dadurch entstehen, dass bestimmte Gefühle von den Betroffenen nicht gefühlt oder bestimmte Erfahrungen nicht gemacht werden dürfen. Der Betroffene erlaubt sich dies deswegen nicht, weil er die Gefühle oder Erfahrungen als nicht zu seiner Person passend empfindet.
Dieser unbewusste Vorgang führt zu den psychischen Problemen, die er sich nicht erklären kann. Der Therapeut kann unter anderem durch das Einfühlen in die Situation des Patienten und den Ausdruck von Wertschätzung ihm gegenüber den Betroffenen dabei unterstützen, die vorher verbotenen Gefühle und Erfahrungen in seine Person zu integrieren und sie zu akzeptieren.
Familientherapie
Der Begriff Familientherapie umfasst eine Vielzahl verschiedener Therapiemethoden. Gemeinsam ist ihnen, dass nicht nur mit einzelnen Personen gearbeitet wird. Es werden vielmehr alle Familienmitglieder oder auch weitere Personen, die zum Beziehungsnetz des Betroffenen gehören, in die Therapie mit einbezogen. Angenommen wird, dass der Patient, zum Beispiel ein Kind mit Schulangst, auf ein Problem innerhalb des Familiensystems reagiert. Unter anderem sollen in der Therapie durch das Aufdecken und Verändern bestehender Kommunikationsstrukturen Störungen im System beseitigt werden.
- Seite 1: Was ist Psychotherapie?
- Seite 2: Wer sollte sich einer Psychotherapie unterziehen?
Autor: Barbara Janker; Janna Christoffers, erstellt am 14.07.05; zuletzt aktualisiert von Dr. med. Julia Hofmann am 13.07.10
Quelle: Kriz, J.: Grundkonzepte der Psychotherapie. Psychologie Verlags Union, 1994; Stark, Esterer, Bremer: Wege aus dem Wahnsinn. Psychiatrie-Verlag, 1997

