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Was ist Psychoanalyse?

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Die Psychoanalyse wurde Ende des 19. Jahrhunderts entwickelt. Sie ist das älteste und wohl bekannteste psychotherapeutische Verfahren und basiert auf der Annahme, dass menschliches Erleben und Handeln nicht nur auf einer bewussten Ebene geschieht, sondern das Unterbewusstsein eine wichtige Rolle spielt.

Die Psychoanalyse geht davon aus, dass die Psyche jedes Menschen drei Instanzen umfasst:

 

  • Das "Es", das nach der Befriedigung von Lust und Trieben strebt
  • Das "Über-Ich", welches das Gewissen repräsentiert und von den Wertvorstellungen der Eltern und der Umwelt geprägt ist
  • Das "Ich" als Vermittler zwischen "Es", "Über-Ich" und der Realität

 

Die klassische Theorie postuliert Phasen der seelischen Entwicklung bis zum Jugendalter: Die orale, anale, phallische, Latenz- und genitale Phase. Durch verdrängte traumatische Erlebnisse können auf jeder Stufe Konflikte zwischen dem "Ich" und dem "Es" auftreten und zu seelischen Krankheiten führen.

 

Die Symptome dienen der Verdrängung beziehungsweise der Abwehr unbewusster Konflikte. Das Ziel der Behandlung besteht darin, das unbewusste Konfliktmaterial aufzudecken und die Ursachen zu bearbeiten.

 

Woher kommt die Psychoanalyse?

Begründer der Psychoanalyse ist der Wiener Neurologe Sigmund Freud (1856-1939). Freud arbeitete als Psychiater in Wien und setzte zunächst vor allem Hypnose und freie Assoziation zur Behandlung seelischer Krankheiten ein. Ausgehend von den Erfahrungen, die er dabei mit den Patienten machte, entwickelte er seine Theorien und Therapietechniken.

 

Die Theorien Freuds werden im Kern heute noch gelehrt, auch wenn sie durch seine Schüler stets weiterentwickelt wurden. Wichtige Freud-Schüler sind beispielsweise Alfred Adler und Carl Gustav Jung. Ausgehend von Freuds Gedanken gründeten sie neue psychotherapeutische Richtungen.

 

Wie läuft eine psychoanalytische Behandlung ab?

Bei der klassischen Psychoanalyse liegt der Patient auf einer Couch. Der Analytiker sitzt am Kopfende, sodass der Patient den Therapeuten nicht sieht. Dies soll bewirken, dass er sich entspannen und auch unangenehme Dinge frei erzählen kann. Besonders interessant sind dabei die Inhalte von Träumen, die unbewusste Konflikte zum Ausdruck bringen können.

 

Bei der Psychoanalyse spielt die Beziehung zwischen Therapeuten und Patienten eine besondere Rolle. Verschiedene Mechanismen setzen den Analytiker in die Lage, die inneren Prozesse seines Patienten wahrzunehmen, die er in einem anschließenden Schritt deutet. So können verdrängte traumatische Erlebnisse und unbewusste Konflikte wieder ins Bewusstsein gelangen. Die klassische Psychoanalyse, die psychoanalytische Langzeittherapie, dauert in der Regel mehrere hundert Stunden. Der Patient wird also über mehrere Jahre psychotherapeutisch behandelt.

 

Nur wenige kontrollierte Studien konnten bislang die Wirksamkeit der Psychoanalyse wissenschaftlich belegen.

 

Kurz- und Tiefentherapie

Für neuere Verfahren wie die psychoanalytische Kurztherapie und die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie liegen allerdings klinische Wirksamkeitsnachweise vor. Beide Verfahren basieren auf der Psychoanalyse. Im Gegensatz zur klassischen Methode liegt der Patient aber nicht auf der Couch sondern sitzt dem Therapeuten gegenüber. Das Ziel ist nicht die Veränderung der gesamten Persönlichkeit sondern die Auflösung beziehungsweise die Verringerung der vorliegenden Symptomatik sowie die Aktivierung schon vorhandener Lösungsansätze.

 

Ein weiterer Unterschied liegt in der zeitlichen Begrenzung. Sowohl in der Kurztherapie als auch in der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie gibt es ein zeitliches Limit von 50 bis 100 Stunden und eine klare Zielorientierung. Entscheidend für den Erfolg dieser Verfahren ist, dass der Therapeut über genügend Erfahrung verfügt und der Patient bereit ist, sich auf die therapeutische Beziehung einzulassen.

 

Für wen ist die Psychoanalyse geeignet?

Da in der psychoanalytischen Therapie Konflikte aufgedeckt und bearbeitet werden, kann es den Betroffenen zeitweise schlechter gehen als zuvor. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass die Patienten über ein recht hohes Maß an Reflektionsfähigkeit und über eine gewisse Stabilität verfügen.

 

Bei Psychosen und Persönlichkeitsstörungen muss sehr vorsichtig vorgegangen werden, da die intensive Beziehungsarbeit ein Fortschreiten der Krankheit bewirken kann.

Autor: Barbara Janker; Dr. med. Martina Waitz, erstellt am 20.01.05; zuletzt aktualisiert von Dr. med. Julia Hofmann am 07.04.08

Quelle: Kriz, J.: Grundkonzepte der Psychotherapie. Psychologie Verlags Union, 1994; Stark, Esterer, Bremer: Wege aus dem Wahnsinn. Psychiatrie-Verlag, 1997; Uexküll, T.v.: Psychosomatische Medizin. Urban & Fischer, 5. Auflage, 1998; www.psychiatrie.de/therapie