Die beiden Gaumenmandeln (Tonsillae palatinae) gehören zum Immunsystem und spielen in den ersten Lebensjahren eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der körpereigenen Abwehrkräfte. Die vollständige operative Entfernung der Gaumenmandeln bezeichnet man als Tonsillektomie.
In der Regel werden beide Tonsillen entfernt. Der Eingriff erfolgt in Vollnarkose, in Einzelfällen auch in örtlicher Betäubung.
Die Gaumenmandelentfernung ist im Kindesalter einer der häufigsten Eingriffe und wird von einem Hals-Nasen-Ohren-Arzt durchgeführt.
Wann werden die Gaumenmandeln operativ entfernt?
Wiederholte oder dauerhafte Mandelentzündungen mit häufiger Antibiotikagabe sind der häufigste Grund für die operative Entfernung der Gaumenmandeln. Breitet sich eine Mandelentzündung im Halsgewebe aus, kann ein Mandelabszess oder eine schwere Entzündung der tiefen Halsschichten die Folge sein. Bricht so eine schwere Entzündung in die Blutbahn ein, kann es zu einer Blutvergiftung kommen. Die Mandeln als Ursprung der Entzündung müssen dann entfernt werden.
Eine weitere mögliche Ursache sind vergrößerte Gaumenmandeln im Kindesalter, sogenannte hyperplastische Tonsillen. Sie können den Schlund einengen und Sprechen, Schlucken und Atmen beeinträchtigen.
Vor Herzoperationen, Organtransplantationen oder bei einigen Allgemeinerkrankungen wie dem Rheumatischen Fieber kann die Gaumenmandelentfernung notwendig sein, um Bakterienansammlungen aus dem Körper zu entfernen. Seltenere Gründe sind eine einseitige unklare Vergrößerung einer Gaumenmandel oder auch ein Verdacht auf einen bösartigen Tumor der Tonsillen sowie die Mandelentfernung zur Tumorsuche bei Halsmetastasen unbekannter Herkunft.
Welche Gründe sprechen gegen eine Gaumenmandelentfernung?
Während der ersten drei beziehungsweise vier Lebensjahre sollte möglichst auf eine Gaumenmandelentfernung verzichtet werden, weil den Tonsillen im Kleinkindalter eine wichtige Rolle beim Aufbau der Immunabwehr zukommt. Behindern die vergrößerten Gaumenmandeln die Nahrungsaufnahme oder den Schlaf, kann bei Kindern in diesem Alter eine einseitige Gaumenmandelentfernung oder die Verkleinerung beider Tonsillen mit einem Laser sinnvoll sein.
Gegen eine Gaumenmandelentfernung sprechen schwere Erkrankungen wie bestimmte Bluterkrankungen, zum Beispiel Leukämie, oder Störungen der Blutgerinnung
. Bei Kindern mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalte kann die Operation in dringenden Fällen unter genauer Abwägung von Nutzen und Risiko erfolgen und sollte von einem besonders erfahrenen Arzt durchgeführt werden. Hier empfiehlt sich die enge Zusammenarbeit mit einem Arzt für Stimm- und Sprachstörungen (Phoniater) und einem Kieferchirurgen.
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Autor: Dr. med. Christoph Kopsidis; Dr. med. Vera Wittenberg, erstellt am 20.01.05; zuletzt aktualisiert von Dr. med. Marina Hille am 13.07.10
Quelle: Arnold, W.: Checkliste Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. 3. Auflage, Thieme, 1999; Boenninghaus, H.G.: Hals-Nasen-Ohrenheilkunde. Springer, 11. Auflage, 2000; Probst, R.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme Verlag, 2000; Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF): · (Leitlinie chronische Tonsillitis), Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie, erstellt August 1996, überarbeitet Juni 2001, · http://www.uni-duesseldorf.de/WWW/AWMF/ll/hno_ll24.htm; Gesenhues, S.; Ziesché, R.: Praxisleitfaden Allgemeinmedizin. 5. Auflage München: Urban & Fischer, 2006, Gesenhues, R. Ziesché: Praxisleitfaden Allgemeinmedizin. Urban & Fischer, 5.Auflage, 2006; Boenninghaus, H.-G.; T. Lenarz, T.: Hals-Nasen-Ohrenheilkunde. Springer, 13. Auflage, 2007

